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Slowakei 2000
Ahoi Slovensko!
Hallo Slowakei!
Eine Idee von Jozef Cwielong wurde Wirklichkeit: Gelebte Völkerverständigung
auf der Grundlage der gemeinsamen Sprache Schach.
Am 2. Juli 2000 begann eine Reise, die allen Beteiligten unvergessen bleiben wird.
Das Ziel: die Slowakei. Zwischen Österreich, Polen und der Ukraine liegt dieses
touristisch fast unerschlossene Land, das 1993 nach der Trennung von Tschechien seine
Unabhängigkeit erlangte.
Insgesamt 8547 DWZ-Punkte in Form von Jörg Christiani, Matthias Hüther, Klaus Lenhard,
Wolfgang Sax und Jozef Cwielong zogen los, um Zweibrücker Schach in der Slowakei zu
repräsentieren.
In der Liptau, am Fuße der Hohen Tatra, dem kleinsten Hochgebirge der Welt, waren wir
zu Gast beim Schachklub Liptovsky Hradok.
Die Anreise in diese circa 1200 Kilometer vom Roten Ochsen (unserem
Vereinslokal in Zweibrücken-Ixheim) entfernte Gegend
dauerte mit dem PKW 13 Stunden bei Nacht und Regen, inklusive der Zigarettenpausen
für Klaus. Geschlaucht und übermüdet erreichten wir morgens das Haus von Anna und
Jaroslav Sekej, unseren Gastgebern. Eine Idylle, wie sie bei uns nur noch in alten
Filmen aus den 50ern zu sehen ist.
Im Garten gab es Kartoffeln, Tomaten, Gurken, alle möglichen Kräuter, und was das Herz
sonst noch begehrt. Im Stall fühlten sich Hühner und Ferkel sauwohl.
Anna und Jaroslav waren in Ihrer Gastfreundschaft nicht zu übertreffen. In reinem
Slowakisch haben sie unsere Herzen und unseren Magen erobert. Wir fühlten uns wie im
Schlaraffenland. Suppen vom Feinsten, gesundes Fleisch, Obst und Gemüse aus dem eigenen
Garten und raffinierte Nachspeisen verwöhnten unsere Gaumen. Ein oder mehrere
Zlaty Bazant und ein oder mehrere Demänovka Horká (ähnlich
Jägermeister) taten ihr Übriges hinzu. Was wir am Abend auch spielten,
es war immer lustig, und es wurde immer lustiger.
Jeden Morgen wurden wir von Hahn Klaus geweckt, der durch sein lautes Nikotingekrächze
den slowakischen Hähnen keine Chance ließ.
Schon zu Beginn des Urlaubes wurden mit Hilfe von Jozef die ersten Kontakte zum
Schachklub von Hradok geknüpft. Im malerischen Nizná Boca [Abb. 1] trafen sich
Schachspieler aus mehreren Vereinen der Umgebung zu einem Mannschafts-Schnellturnier.
Wir konnten viel lernen ...

Abb. 1: Schachturnier in Nizná Boca

Abb. 2: Austausch der Gastgeschenke mit Karol Pekar (links)
Kultur, Land und Leute haben wir durch Juraj Ivan, seine Frau Tanja, Jan Zeman,
Pavel Sintaj und Karol Pekar [Abb. 2] kennen gelernt. Herzlichen Dank. Mit Englisch,
Deutsch, Händen und Füßen war die Verständigung kein Problem. Größere Sachen managte
Jozef.
Pavel zeigte uns Strbske Pleso, eine Naturschönheit am Fuße des heiligen
Berges der Slowaken, dem Krivan [Abb. 3].

Abb. 3: Strbske Pleso, im Hintergrund der heilige Berg Krivan
Mit Jan und seinen beiden Töchtern Viera und Danka verbrachten wir viele schöne Stunden
in der Hohen und Niederen Tatra. Sie zeigten uns die Eishöhle und die Tropfsteinhöhle
Jaskyna Slobody im Demänovska-Tal. Wunderschöne Dome mit Stalagmiten, Stalaktiten und
unterirdischen Seen begeisterten uns. Die Lichtverhältnisse vermittelten den Eindruck,
man stünde inmitten eines Goldberges.
Im Freilichtmuseum Pribylina war die Vergangenheit zu spüren. Bauernhäuser,
Handwerkergebäude, Schule und Kirche einer Siedlung, die vor der Errichtung des
künstlichen Stausees Liptovsky Mara verlagert worden war, konnten hier in ihrem
Ursprungszustand bestaunt werden. Ein Ausflug zur hölzernen Kirche von Sväty Kriz,
die ohne einen Nagel errichtet wurde, und die durch ihre immens große Kuppel jedes
Statikerherz höher schlagen lässt, zeigte die hohe handwerkliche Fertigkeit der
Slowaken.
Die Highlights mit der Familie Zeman waren die Tagesausflüge in die Berge. Um uns
langsam an die Anforderungen einer Bergtour zu gewöhnen, starteten wir im Tal von
Prosiek. Durch eine bizarre Schlucht, über Stock und Stein, Leitern und Seile, erklommen
wir Meter um Meter [Abb. 4]. Klaus pfiff unfreiwillig vor sich hin, seine nikotinbeladene
Lunge sorgte für Unterhaltung. Auf der Bergkuppe lieferten sich die beiden Mädels noch
ein Wettrennen. Wir konnten nur noch hinterherschauen.

Abb. 4: Viera und Wolfgang beim Klettern in der Prosiecka Dolina
Ohne Klaus starteten wir zum Poludnica (1548 Meter). Die ersten 200 Meter waren am
schlimmsten. Durch Wälder und Wiesen ging es fünf Stunden nur steil bergauf. Belohnt
wurden wir mit einer herrlichen Aussicht über die Liptau und mit dem Gefühl, es geschafft
zu haben. Todmüde ließen wir uns noch von Annas Kochkunst verwöhnen und schonten nach
einem abschließenden Demänovka Horká unsere Augen.
Die größte Herausforderung war der Krivan (2494 Meter). Bei mäßigem Wetter starteten
wir mit leichtem Gepäck ab Strbske Pleso zu einer unvergesslichen Tour. Etwa 1200
Höhenmeter waren zu überwinden; unser Weg führte durch Wälder und den typischen
Krummholzgürtel in die steinerne Wüste. Nahezu sechs Stunden Aufstieg - mit dem
schwierigsten Teil (Kletterpartien und Geröll) am Schluss - zehrten an den Kräften. Auf
dem Gipfel wechselte eine schöne Aussicht über die Liptau und nach Polen mit nasskaltem
Nebel und einem Schneetreiben. Das Gefühl, es geschafft zu haben, gab uns Auftrieb. Beim
Abstieg hatten wir den Regen als ständigen Begleiter, der uns zur Eile antrieb. Der Abend
war vorprogrammiert; ein Schlaflied wäre völlig unnötig gewesen.
Wieder zurück zum Schachlichen: Die Slowaken zeigten, dass sie auch blitzen konnten.
Klaus konnte ziemlich lange mithalten, wurde aber ausgerechnet von Wolfgang ausgebremst.
Danach hatte er den Mut verloren. Jörg wurde Zweiter hinter Karol Pekar, der auf Grund
seiner ELO-Zahl haushoher Favorit gewesen war. Mit Kelt (ähnlich
Bitburger) wurde das Turnier abgerundet, dessen Auswertung durch ein
DOS-Programm erfolgte.
Das Städtchen Liptovsky Mikulas gab einiges her. Besonders der Marktplatz war ideal,
um sich die slowakischen Schönheiten zu betrachten. Und derer gab es viele. Alles war nur
preiswert. Ein Bier (0,5 Liter) kostete umgerechnet 0,80 DM, ein Kaffee 0,45 DM.
Konsumgüter waren jedoch fast so teuer wie in Deutschland. Die Übernachtung mit Frühstück
und Abendessen kostete 25 DM pro Tag und Person. Der Liter Superbenzin lag bei
1,74 DM.
Zwei unserer Schachspieler sollen besonders erwähnt werden: Jozef, der Wegbereiter war
und alles Mögliche managte, dem es jedoch nicht vergönnt war, einen Fisch zu fangen.
Und Klaus, der die größte Leistung vollbrachte, indem er das Rauchen aufgab. In
Abbildung 5 sieht man, wie er seine letzte Zigarette raucht.
Die Gastfreundschaft war das, was uns am meisten berührt hat. Eine gemeinsame Zukunft
der beiden Schachvereine ist angesichts der vielen persönlichen Kontakte in die Wege
geleitet. Es wäre schön, wenn sich in Zukunft noch weitere Mitglieder des Schachklubs
1905 Zweibrücken daran beteiligen würden, die Kontakte in die Slowakei zu pflegen und
auszubauen. Wir jedenfalls werden diesbezüglich am Ball bleiben.
Text: J. Christiani, W. Sax; Bilder: M. Hüther
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